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Sonntag, 26. Januar 2014

Die wichtigsten Tattoo-Begriffe und ihre Definition


Wer sich im Internet über Tattoos informieren möchte und kein eingefleischter Szene-Nerd ist wird das ein oder andere Mal auf verschiedene Begriffe stoßen, die im ersten Moment mitunter etwas Nichtssagend erscheinen. Um etwas Klarheit zu schaffen, habe ich hier eine kleine Liste zusammengestellt, die erläutern soll was eigentlich gemeint ist, wenn in der Szene von "Scratchern" oder "Bodysuit" gesprochen wird. Bei Bedarf werde ich die Ansammlung gerne ergänzen. Die Liste ist wie bei einem Lexikon alphabetisch sortiert.
 

Blowout

Übersetzt man "Blowout" aus dem Englischen, dann heißt das so viel wie "Ausbruch" oder "Eruption". Dies beschreibt aber nur entferntesten Sinne was ein Tätowierer meint, wenn er von "Blowout" spricht. Sticht er beim Tätowieren nämlich zu tief in die Haut, dann kommt es zu verlaufenen Schattierungen, die gerade bei kleineren Tattoos sehr unschön aussehen. 

 

Bodysuit

Bodysuits kommen im Grunde aus Japan. Dort legte man Tätowierungen in der Regel mit der Vorstellung an den ganze Körper zu bedecken. Ein Bodysuit ist somit ein sehr langes Projekt, dass dann abgeschlossen ist, wenn der komplette Körper mit Tattoos überdeckt ist. Lediglich Hände, Hals, Füße sowie der Kopf werden in der Regel nicht tätowiert. 

Convention

Eine Convention ist eine Art Tattoo-Messe. Die Erste fand 1976 in Houston, Texas statt. Mittlerweile gibt es fast überall auf der Welt jährlich stattfindende Conventions, die teils auch sehr gut besucht sind. Oft kommen Künstler aus dem ganzen Land oder gar der ganzen Welt angereist, um ihre Arbeiten zu präsentieren und Leute vor Ort zu tätowieren. Die größte Convention in Deutschland, sowie auf der Welt, ist die "International Tattoo-Convention" in Frankfurt am Main. 

Cover-Up

Hat ein Tätwoierer euer Tattoo verhunzt, dann hilft meist nur eine Entfernung oder im besten Fall ein Cover-Up. Dieses verdeckt das ursprünglich gestochene Tattoo mit einer neuen Tätowierung. Natürlich kann ein Cover-Up auch verwendet werden, um gut gestochene Tattoos zu verdecken, die einem aufgrund des Motivs mittlerweile aber nicht mehr gefallen. Je kleiner das Tattoo, desto größer die Chance das Bild mit Hilfe eines Cover-Ups auch zu retten.

Custom-Tattoo

Ein Custom-Tattoo ist eine, eigens für den Kunden, angefertigte Tätowierung. Das heißt es wird nicht auf ein bestehendes Motiv oder eine Schablone zurückgegriffen. Einige professionelle Tätowierer stechen ausschließlich Custom-Tattoos und lehnen Standard-Motive aus einer Vorlage ab. 

DOT

DOT ist die Abkürzung für "Deutschlands Organisierte Tätowierer". Es ist der einzige Tattoo-Verband in Deutschland.

Fineline-Tattoo

Bei einem Fineline-Tattoo handelt es sich vielmehr um eine Tätowiertechnik. Die Technik wird in der Regel für realistische Tattoos mit großem Detailreichtum verwendet. Das Motiv wird dabei mit nur einer einzigen Nadel gestochen, die sehr schmale und feine Linien erlaubt. Allerdings ruft diese Technik bei vielen Tätowierern auch eine gewisse Skepsis hervor, da die Linien während des Alterungsprozesses der Haut ihre Klarheit verlieren.

Flash

Ein Flash ist die gängige Bezeichnung für eine Tattoo-Vorlage. Sie ist mit anderen Worten die fertige Skizze für das Tattoo. Oftmals gibt es hierfür bereits vorgefertigte Schablonen, sie können allerdings auch vom Tätowierer für ein Custum-Tattoo selbst angefertigt werden.

Freehand

Auch Freehand ist im Grunde eine Tätowiertechnik. Wie der Name bereits erahnen lässt, so handelt es sich bei einer Freehand-Tätowierung um eine Zeichnung frei per Hand. Der Tätowierer nutzt demnach kein Flash, Schablone oder sonstige Hilfsmittel. Stellenweise werden Konturen vorgezeichnet, mehr aber auch nicht. 

Inken

Inken ist im Grunde nur eine andere Bezeichnung für Tätowieren. Sie leitet sich aus dem Englischen ab (Ink = Tinte). 

Ink Rubbing

Ink Rubbing ist eine Tätowiertechnik, bei der die Tattoofarbe, meist in Form eines Puvers in die Wunde eingerieben wird.

Irezumi

Irezumi ist der japanische Begriff für Tätowierung.

Jungfrau

Eine Jungfrau bezeichnet eine Person, deren Körper noch völlig unberührt von Tattos ist. Sein erstes Tattoo steht demnach noch bevor, insofern sich die Person überhaupt tätowieren lassen möchte.

Mehndi 

Mehndi ist ein anderer Begriff für ein Henna-Tattoo. Er bezeichnet zudem den Vorgang einer Henna-Tätowierung.

Moko

Moko bezeichnet die Tätowierungen und Technik der Maori.

Outlines

Outlines bezeichnen die Konturen einer Tätowierung. Sie sind somit quasi die unausgefüllte Skizze einer Tätowierung, ähnlich wie bei einem Malbuch.

Piker

Piker ist eine andere Bezeichnung für einen Tätowierer. Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab (Pike=Spitze), da der Tätowierer eine spitze Nadel benutzt. Es gibt auch eine Verbform, pikern, die den Prozess der Tätowierung beschreibt.

Scratcher

Ein Scratcher ist ein unfähiger Tätowierer. Im Englischen bedeutet scratchen "kratzen". Ein schlechter Tätowierer zerkratzt dir mit seiner Technik im schlimmsten Fall auch deine Haut.


Quellen:
Gabriele Hofmann: "Alles über Tattoos", Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel, 2004
Facebook, Tattoo Convention Franfkurt, on.fb.me/1izNaUg
FR-Online: "Asien großes Thema auf bei Tattoo-Messe", bit.ly/1fnqjGl
Wikipedia: "Flash (tattoo)", bit.ly/1bqkgOA
Tattoo-Spirit: "Tattoo-Lexikon von Tattoo-Spirit", bit.ly/KXL29T

Montag, 13. Januar 2014

Die verschiedenen Tätowiertechniken

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Techniken zur Tätowierung etabliert. Meist sind diese kultur- und regionsabhängig. Aufgrund der Globalisierung und dem großen Interesse an Tätowierungen ist es heute möglich auch auf traditionelle Tätowiertechniken in den verschiedensten Regionen der Welt zurückzugreifen. Anbei sollen einige Techniken vorgestellt werden. Dabei sollte beachtet werden, dass einige nur zu Informationszwecken aufgeführt werden und nicht wirklich empfehlenswert sind.

Traditionelle Technik der Maori (Moko)

Lange bevor es Elektrizität gab und somit auch die Grundlage für die heutige Tätowiermaschine wurden Tätowierungen von den verschiedensten Völkern durchgeführt. Die Maori verwendeten dazu beispielsweise eine Art Meisel, deren Spitze aus dem Flügelknochen eines Albatros hergestellt wurde. Diese wurde in Farbe eingetunkt und anschließend durch behutsames Klopfen in die Haut eingebracht. Dabei enstehen kleine Löcher in der Haut, die teilweise auch relativ werden können. Durch die Farbe sind sie aber nicht wirklich erkennbar.

Traditionelle Technik der Japaner (Tebori)

In Japan wurde lange Zeit auf ähnliche Weise tätowiert, wie es die traditionellen Maori getan haben. Auch heute wird die Technik vereinzelt noch angewendet. Mittels eines Stecknadelstiftes, genannt Hari wird die Farbe in die Haut gezupft. Die Technik erlaubt es sehr präzise und detailreich zu stechen, braucht aber sehr viel Übung und Geschick.

Ink Rubbing

Beim sogenannten Ink Rubbing wird die Haut zunächst aufgeschnitten. Im Nachhinein wird die Farbe in die Wunde eingerieben. Das Tattoo hat anschließend eine rötliche Färbung mit wenigen Details.

Tätowierung mit Nadel und Faden

Eine recht primitive Technik ist das Stechen mit Nadel und Faden. Viele altertümliche "Knast-Tattoos" wurden auf diese Weise gestochen. Dabei wird der Faden in Tinte getaucht und das Tattoo anschließend „genäht“. Wird der Faden wieder herausgezogen bleibt die Tinte in der Haut zurück. Es lassen sich auf diese Weise aber kaum feine Linien zeichnen. Meist sieht das Tattoo sehr verwaschen aus.

Elektrische Tätowiermaschine

Die elektrische Tätowiermaschine, auch Tatto-Gun genannt, ist die modernste und am weitesten verbreitete Art zu tätowieren. Erfunden wurde sie 1890, in Deutschland hat sie sich nach 1922 etabliert. Mittels eines elektromagnetischen Feldes wird die montierte Nadel in ein ständiges Auf und Ab gebracht. Je nach Maschine variiert die Geschwindigkeit mit der dieser Vorgang erzeugt wird. Neuere Maschinen lassen es zu die Geschwindigkeit, als auch die Stärke und Nadeltiefe einzustellen. Mit Hilfe der Kapillarwirkung wird die Farbe schließlich über die Nadel in die Haut gebracht. Es gibt verschiedene Aufsätze, die je nach Tattoo oder Prozess (Outlines, Schattierungen) aufgbracht werden.

Quellen:

Tattoo-Frei: "Tattoo-Technik", bit.ly/1mk3Ooc
Tattooinfos: "Wie das mit dem Tätowieren funktioniert", bit.ly/1ifaLJL
Doku.cc: "Zeichen auf der Haut - Tätowierungen",  bit.ly/LqVnf8

Sonntag, 12. Januar 2014

Geschichte der Tätowierung

Tattoos gibt es nicht erst seit gestern. Tätowierungen und ihre Entstehung haben einen weit zurückliegenden Ursprung, der nur schwer bestimmt werden kann. Das Wort selbt kommt eigentlich von dem Begriff "Tatau". So nannten die Tahitianer die Tätowierungen. Die Engländer machten daraus erst viel später den Begriff "Tattoo". Um die Motivation und Bedeutung hinter einem Tattoo besser zu verstehen empfiehlt es sich durchaus auch einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Dadurch lassen sich mitunter bestimmte Vorurteile und Missverständnisse rund um diesen Körperkult aus dem Weg räumen.

Die Tätowierungen der Skythen und des "Ötzi"

Es ist schwer zu sagen wann und wo genau Tätowierungen ihren Ursprung haben. Lange Zeit ging
man davon aus, dass die frühesten Tätowierungen aus der Zeit der Skythen stammen. Die Skythen waren ein Volk, welches am schwarzen Meer angesiedelt war und um das 8. Jahrhundert vor Christus erstmals auftauchten. Wie bei vielen Stammesvölkern diente das Tattoo nicht nur als Körperschmuck, sondern auch als Zeichen der Abstammung. 1991 wurde mit der Entdeckung des "Ötzi" diese Theorie jedoch auf den Kopf gestellt. Man fand an den Überresten des 5200 Jahre alten "Ötzi" über 50 strichförmige Tätowierungen, die scheinbar als Akupunktur-Mittel dienen sollten. Somit war klar, dass die ersten Tätowierungen noch viel weiter zurückgehen als bisher angenommen.

Spuren der ersten Tätowierungen reichen weit zurück

Abgesehen davon nimmt man allerdings an, dass die Geschichte der ersten Tätowierungen noch wesentlich weiter zurückgeht. Jedoch fehlen für diese Annahmen stichfeste Beweise. So gibt es beispielsweise Wandmalereien in der Sahara, die Menschen mit Tätowierungen zeigen und aus dem 5. Jahrtausend vor Christus stammen. Auch Mumien aus dem alten Ägypten zeigen teilweise Spuren von Tätowierungen auf, ebenso beherbergt das Gizeh-Museum in Kairo Werkzeuge, die ähnlich den Tattoonadeln heutiger Tätowierer sind. Darüber hinaus hat man in der Grotte Arcy-sur-Cure in Frankreich Hinweise für die Kunst des Tätowierens gefunden. Werkzeuge, sowie eine Feuerstelle zur Herstellung von Farbstoffen lassen vermuten, dass bereits 35.000 Jahre vor unserer Zeit tätowiert wurde. Dies ist definitiv eine beachtliche Zeit, auch wenn man davon ausgeht, dass die ersten Menschen vor rund 6 Millionen Jahren die Erde bevölkert haben. Jedoch waren dies noch sehr primitive Menschen, der Homo Sapiens selbst bevölkerte erst vor ca. 200.000 Jahren die Welt.

Tätowierungen im Mittelalter

Im Mittelalter (ca. 6. - 15.Jahrhundert) bekamen Tätowierungen wohl erstmals einen negativen Aspekt auferlegt. Zwar hatten die Kreuzritter christliche Tätowierungen, allerdings sprach die Kirche ein generelles Verbot von Tattoos aus. Grund war eine Stelle im mosaischen Gesetz, welche besagt: "Ihr solltet keine Male um eines Toten Willen an euren Leibe reißen, noch Buchstaben an euch ätzen, denn ich bin der Herr". Dennoch ließen sich viele Christen Symbole tätowieren, die sie eindeutig als Christen identifizierten. Somit war ihnen zumindest theoretisch eine christliche Beerdigung gesichert, insofern sie auf ihren Reisen ums Leben kamen. Paradoxerweise waren es somit gerade die frommen Christen, die sich tätowieren ließen. Pilger bekamen auf ihren Reisen oftmals geldwerte Vorteile und ihre christlichen Tattoos waren eine Art Garant ihrer Frömmigkeit und Zugehörigkeit zum Christentum.

Tätowierungen im asiatischen Raum

Abgesehen davon verloren Tätowierungen, zumindest in der westlichen Welt, ihre Popularität. Im asiatischen Raum waren Tätowierungen bei Arbeitern sehr populär. Da sich jedoch vorwiegend die "niedere" Gesellschaft damit schmückte waren Tätowierungen in gewisser Weise stigmatisiert. Wer ein Tattoo trug war automatisch als Krimineller abgestempelt und konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern. Die Yakzua nutzten Tätoweierungen beispielsweise auch um ihre Stellungen in der Organisation zu zeigen. Dabei durfte den Tätowiereren keine Fehler passieren, da sie sonst schnell mit ihrem Leben zahlten. Auch heute findet sich diese Praxis noch bei den Yakuza und viele anderen kriminellen Organisationen. Sicherlich ein Grund weshalb Tätowierungen auch heute mitunter noch ein schlechter Ruf anhaftet. 1870 wurden Tätowierungen in Japan gänzlich verboten. Erst 1948 hob man dieses Verbot auf und auch heute noch sind Tätowierungen in Japan nicht gerne gesehen.

Die Entdeckung in Europa durch Kaufleute

Im Gegensatz zu Japan erlebte die westliche Welt um 1840 einen regelrechten Boom. Kaufleute und Seefahrer brachten die Kunst von ihren Reisen mit in den Westen, wo man eine neue Leidenschaft für Tätowierungen entfachte. Der Herzog von York oder Zar Nikolaus II waren einige der ersten Adeligen, die Tätowierungen zu dieser Zeit für sich entdeckten und einen neuen Begeisterung auslösten. Zuvor waren Tätowierungen nur von "Wilden" bekannt, die im Zuge der Seefahrt nach Europa verschleppt wurden. James Cook (1728 - 1779) brachte beispielsweise einen Tahitianer namens Omai mit nach England. Dieser sorgte aufgrund seiner Tätowierungen für großes Aufsehen und viel Neugierde. Von da an hielten sich viele Adelige tätowierte "Wilde", um sie als Anschauobjekte bei ihren Freunden vorzuführen. Auch als Schausteller wurden viele dieser tätowierten Eingeboreren missbaucht. Nach und nach nutzten aber auch Seefahrer, die auf ihren Reisen oft lange mit Eingeboreren zusammen lebten und daher ebenfalls Tätowierungen trugen, diese Nische für sich. Sie zogen durch das Land und erzählten die abenteuerlichsten Geschichten zu ihren Tattoos, manchmal mehr, manchmal weniger wahr. 

Die Tradition der Seefahrer

Seefahrer waren auch die erste Menschen die Tätowierungen zumindest unter ihres Gleichen salonfähig machten. Bereits bevor die ersten Menschen in Europa durch die verschleppten Eingeborenen Tätowierungen zu Sicht bekamen, hatten einige Seefahrer bereits selbst welche. War dies zunächst nur durch die Hilfe von Eingeborenen in weit entfernten Ländern möglich, wurde es Anfang des 18. Jahrhunderts üblich einen eigenen Tätowierer an Bord zu haben. Es war quasi ein Markenzeichen von Seefahrern, noch bis in die 70er Jahre hinein. Auch waren es Schiffsärzte, die die ersten medizinischen Studien zu Tätowierungen verfassten. In Hafenstädten gab es dann auch die ersten Tattoo-Studios, die in der Regel von Schiffs-Tätowieren betrieben wurden, die das Leben auf der rauen See satt hatten.

Tattoos und ihre Ankunft in der "High Society"

Die Erfindung der elektrischen Tätowiermaschine durch Tom Riley, im Jahre 1890, brach das Eis letztendlich vollkommen. Durch sie wurde die Tätowierkunst einfacher zu meistern, als auch schmerzfreier. Gleichzeitig ließen sich auch immer mehr Adelige ein Tattoo stechen. Da diese sich ihre Tätowierungen nicht von zwielichtigen Gestalten in einer verrauchten Hafenkneipe stechen lassen wollten, begannen auch die ersten Adeligen eigene Studios zu eröffnen. Einer der ersten und renommiertesten Tätowierer der Oberschicht war Sutherland MacDonald. Dieser eröffnete etwa im Jahre 1890 ein exklusives Tattoo-Studio in London. Außerdem erhielt er 1894 ein Patent für seine eigens entworfene Tätowiermaschine.

Wiederaufkeimen des schlechten Rufes

Fast hätte man meinen können, dass mit dieser Entwicklung ein goldenes Zeitalter für Tätowierungen und ihren Ruf anbrechen würde. Doch bereits eine Generation später sollte sich das Blatt wieder wenden. Denn während der Boom in der Oberschicht recht schnell wieder verebbte,  fing man damit an die Tätowierungen von Straftätern in Gefängnissen zu untersuchen. Damit sollte herausgefunden werden, ob eine Wiedererkennung der Gefangenen anhand des Tattoos sicher gestellt werden könne. Dadurch wurde das Image von Knast-Tattoos allerdings unweigerlich gefördert. Außerdem ließen sich (immer noch) viele Prostituierte tätowieren. Da beide Gesellschaftsschichten nicht gerade mit hohem Ansehen trotzten, bekamen Tätowierungen wieder einen faden Beigeschmack.

Überlebenskampf und Boom in Amerika


Dass Tattoos aber dennoch zu ihrem kommerziellem Durchbruch kamen, haben wir im Grunde Amerika zu verdanken. Dort etablierten sich im 19. Jahrhundert trotz aller Widrigkeiten einige-Tattoo-Studios. Darüber hinaus erlebten „Freak-Shows“ mit tätowierten Menschen einen erneuten Boom. Nicht unbedingt die beste PR-Masche, aber sie hielt das Geschäft zumindest am Leben. Nachdem die breite Masse sich nach und nach an diesen Shows satt gesehen hatte, blieb zumindest das Interesse an Tätowierungen bestehen. Die Qualität der Tätowiermaschinen und damit auch die Kunst an sich verbesserte sich zunehmend. Es wurden sogar die ersten Lehrlinge ausgebildet, die sich bei einem Tätowierer niederließen oder viel umherreisten. Die beiden Weltkriege sorgten zudem für eine erneutes Hoch, da viele Soldaten sich tätowieren ließen. Die eher hässliche Seite des zweiten Weltkrieges war dabei die Zwangstätowierung von KZ-Häftlingen.

Rennaissance der Tätowierkunst


Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Tätowierkunst, zumindest in New York, dann beinahe wieder ausgemerzt. Nach einigen Hepatitis-Fällen verbot die Stadt die Ausübung der Kunst und die Tätowierszene wanderte in den Untergrund. In anderen Teilen Amerikas schritt die Kunst allerdings langsam voran. Der Seemann Jerry Collins hatte in Honolulu einige Studios und trug die Kunst zudem auf seinen Seereisen mit in die restliche Welt. Außerdem hielt er regen Briefkontakt mit anderen Künstlern in den anderen Kontinenten. Durch sein Engagement erlebte die Szene in den 70er Jahren eine erneute Rennaissance, die bis heute anhält. 1976 kam es zudem zu der ersten amerikanischen Convention in Houston, Texas. Die bis dahin untereinander sehr misstrauische Szene begann sich selbst kennenzulernen und legte die Grundsteine für die heutige fortschreitende Akzeptanz.

State of the Art

Trotz allem sind selbst in der heutigen Zeit Tätowierungen in bestimmten Gesellschaftsschichten noch mit Vorurteilen belegt. Teilweise wird das Tattoo immer noch mit einer Art Brandmark von Häftlingen oder "Asozialen" assoziiert. Allerdings bahnen sich Tattoos immer mehr ihren Weg zurück in die "oberen" Schichten und lassen es als etwas "Normales" erscheinen. Viele Stars und auch Politiker bekennen sich öffentlich zu ihren Tattos und sorgen für eine erhöhte Akzeptanz. Heutzutage trägt in Deutschland beispielsweise jeder Zehnte über 14 Jahren zumindest ein Tattoo. Durch die weite Verbreitung und Globalisierung gibt es mittlerweile sehr viele verschieden Stile und Einflüsse. Aufgrund der steigenden Akzeptanz und Beliebtheit dürfte der Trend zudem nicht so schnell verebben.

Quellen:

Gabriele Hofmann: "Alles über Tattoos", Arun-Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel, 2004
Tattoo-Frei: "Geschichte der Tätowierung", bit.ly/1cIZWro
Richard Lamers, Freenet:"Die grausamen Skythen", bit.ly/1dH6KMi
Akupunkturzentreum Graz:"Özis Tätowierungen", bit.ly/LCos7X
Jamie Shreeve, National Geographic:"Der erste Mensch", bit.ly/1bbBGyd
Tattoo-Society: "Geschichte der Tätowierungen"bit.ly/1ahENtW
Beatrix von Kalben, Planet Wissen: "Tätowierungen, Schmuck der unter die Haut geht",
bit.ly/1mqJVOY
Focus Online: "Neue Tattoo-Studie: Je ärmer, desto besser", bit.ly/1mqK5Wx
GCS Tattoos: "Tattoo Geschichte", bit.ly/1hDLPZC
Tattoonet: "Tattoo Geschichte", bit.ly/19FpI4I